Maggie oder Malie.

So manches Klischee erfüllen Sie, wie wir sicher auch. Die Einen die Pünktlichkeit und Ihr Bier, die Anderen gesunde Küche und Gastfreundschaft. Aber das R in Marie können die Thailänder nicht aussprechen. Dafür zeigen Sie trotzdem Ihre pure Freude an Ihr und beschenken die kleine Dame mit süßen Finger-Bananen. Marie findet es toll.

Was Marie nicht so toll findet? Das Ihre Eltern heute geglaubt haben, ein Strandtag sei so wie früher, nur eben mit Baby. So ein Quatsch.

Am Morgen haben wir einen einen Jeep bekommen. Er fährt – das war uns wichtig. Bei der Übergabe wird uns erklärt, dass die Fenster nur spaltbreit zu öffnen sind, da die Fenster sonst in die Tür fallen. 9:30, es ist jetzt schon warm – das wird ein super Tag.

Ziel ist der Strand Haad Son/Koh Raham an der Westküste der Insel, 10 Kilometer entfernt. Das große Loch in der Bodenplatte erinnert uns an den Strassenverkehr, denn das Fahrgefühl ähnelt eher einem alten Boot.

Am Berg zeigt uns der Jeep: er hat vier Reifen. Der zweite Gang ist ihm zu viel. Marie auch, beide jaulen auf. Zu viel Sonne durch die Windschutzscheibe und zu wenig Frischluft aus dem Miniatur-Gebläse. Vorschlag zur Güte: ein Hippie-Art-Café am Strassenrand. Dort kriegen die Eltern zumindest einen echten Cappuccino im Schneidersitz und die Tochter kann dort bestimmt schlafen. Tut sie nicht.

Die Saftpresse der Küche ist zu laut, knattert die letzten Reserven aus dem Kind. Neue Strategie: wir teilen uns auf. Claire und Marie halten sich gegenseitig im Tragegurt, der Papa darf den Cappuccino in Ruhe austrinken. Sie schläft ein.

Wenig später schnorcheln wir vor einem Restaurant. Zunächst alleine, dann mit russischen Touristen und Ganz-Gesicht-Schnorchelmasken. Die gehören einfach nicht auf diese Erde. Die Fische, Hunderte, werden von den Kellnern mit Brot angelockt. Lustige Fotos, aber irgendwie eine verkehrte Natur.

Wir ziehen zum nahegelegenen Strand. Mittagssonne. Marie‘s Geduldsgerüst wackelt, Salzwasser soll helfen. Tut es. Kinderlachen im flachen Wasser.

Danach entdeckt die Tochter: Sand. Am liebsten Händeweise in den Mund. Stress für die Alten. Ablenkungsmanöver werden gestartet, viele gehen schief. Die Handtücher unter uns sind nur noch Inseln im Sandmeer, alles klebt. Chaos. Die Rettung: Tragetuch. Funktioniert dann nur stehend unter einer Palme, Marie schwitzt, als sollte es so sein. Wir beruhigen uns mit einer geteilten Flasche Bier.

Kurze Zeit später sitzen wir zur Heimfahrt in unserem Gefährt. Marie versucht während der Fahrt unermüdlich den Steuerknüppel zu betätigen, der Papa im Linksverkehr die Übersicht zu bewahren und an der nächsten Kreuzung nicht erneut links den Scheibenwischer zu betätigen, sondern rechts zu blinken. Mopeds von allen Seiten.

An der nächsten Strassenecke ruckelt der Scheibenwischer über eine trockene Scheibe.

Endlich zu Hause, völlig geschafff. Sonnenuntergangs-Szenario. Marie schreit unter der Dusche, das AntiMücken-Spray klebt auf der Haut. Wir entscheiden zum Abendessen zu laufen. Spicy Pork Soup, take-away. Stressreduzierung durch Abendessen auf der unsrigen Terrasse.

Draußen tuckert ein Fischerboot, kleine Ameisen am Boden teilen sich ein Reiskorn. Marie sitzt in Ihrem Hochstuhl, lacht und isst Ihre Bananen. Zufrieden und so, als sei nichts gewesen. Wir waren ja nur am Strand.

Gute Nacht.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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