Stein.

Wir hätten wandern können. 4 Stunden, sagt die Dame an der Rezeption. Weil sowohl die Rotznase als auch die Sonne zu ausgeprägt erscheinen, entscheiden wir uns morgens für die Variante, die die anderen Tausend an diesem Morgen schon für die Richtige erachtet haben: Achterbahn!

Erneut ist es diese typisch asiatisch-unorganisierte Organisation (zumindest, wenn man die Sprache nicht versteht). ရုံစတင်! Einfach erstmal einsteigen: auf einen LKW mit offener Ladefläche, auf der Sitzreihen montiert sind. 7 Reihen. In eine Reihe passen gemütlich 4 Personen, der LKW-Fahrer überzeugt, aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar, es passen sicher 7 oder 8 Menschen. Man fühlt sich ein wenig wie Vieh.

Und dann geht es los. Mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit rein in die Serpentinen. Vollgas, Drehzahl muss oben bleiben. Man kann sich festhalten, aber es ist eher die Menschenmasse, die sich gemeinsam einkeilt. Hier darf nichts passieren. Die Asiatin neben Claire kotzt in einen Plastikbeutel. Ich muss lachen, der Fahrer grinst über den Außenspiegel zurück.

Wir sitzen in der ersten Reihe, sehen den Verlauf der Straße nur wenig. Es ist wie eine schlechte Achterbahn, Kurven erkennt man an den G-Kräften, die Einen in die Hüftknochen des Sitznachbarn drücken. Marie juchzt vor Freude. In Deutschland sitzt das Kind in einer 350€-teuren Sitzschale, hier ist es Sicherheit durch die bloße Kraft von Mutter und Vater.

Auf dem Weg zum Goldenen Felsen gibt es eine Zwischenstation. Base Camp. Hier müssen Touristen aussteigen, der letzte Teil sei zu gefährlich. Weil ich die ganze Zeit gelacht habe, läd uns der Fahrer ein, auch das letzte Stück per LKW zu fahren. Uns ist beiden etwas flau im Magen, vielen Dank, nächstes Mal.

Kurze Zeit später finden wir uns in einer Schweizer Gondel wieder. Vor ein paar Jahren hätte man den letzten Abschnitt noch laufen oder sich per Sänfte tragen lassen müssen.

Oben angekommen, Schuhe aus. Disney-Land. Alles bunt und glitzert, es herrscht ausgelassene Stimmung. Man kann Maschinengewehre aus Bambus kaufen, eingebranntes USA an der Seite. Frittierte Insekten, Betelnuss, Pfeffer, Obst. Hühnerfuss to go.

Und dann sieht man den Fels. Gold. Er trotzt der Schwerkraft, wird mit Blattgold von Männern beklebt. Überall Opfergaben in Form von Essen. Frauen dürfen ihn nicht berühren. Auch wenn die Felsformation rational gesehen nur eine Spielart der Natur durch Wind und Korrosion ist, ist sie beeindruckend. Marie verschläft sie. Ich überlege kurz, ob ich 2500 Kyat (1,50€) in ein Stück Blattgold investieren soll, aber am Ende ist es ja keine halligalli-Touristenattraktion, sondern ein wesentlicher Pilgerort der Buddhisten in Myanmar. Besucht man ihn, tut man was für das eigene Karma, um seine Wiedergeburt positiv zu beeinflussen.

Wir pilgern zurück zur Gondel, im Anschluss folgt die Kamikaze-Busfahrt ins Tal mit einer Ladung Chinesen. Marie lacht. Und natürlich geht alles gut.

Am nächsten Morgen erzählt uns der Taxifahrer, der uns zum Zug nach Yangon bringt, er sei 18 Jahre zur See gefahren. Er war schon mal in Deutschland – in Bremerhaven.

Die Tachonadel funktioniert nicht mehr. Egal – wir haben ja einen Pluspunkt fürs nächste Mal.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

2 Kommentare zu „Stein.

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