Eisvogel.

Um 06:50 geht die Sonne auf. Marie schläft noch, wir entscheiden, Sonnenaufgang mache ich alleine. Die Kälte am Morgen völlig unterschätzt, sitze ich später, schlotternd, auf dem Roller. Der Temperaturunterschied zu tagsüber ist beeindruckend. Per Google Maps suche ich die richtigen Sandwege, um einen guten Hügel zu finden. Ich bin nicht alleine. Wenig später fliegen ca. 25 Heißluftballone in goldenem Licht.

Die andere Seite der Medaille…

Nach dem Spektakel stehe ich zuerst eine halbe Stunde unter der heißen Dusche, dann trinken wir gemeinsam schwarzes Wasser. Mehr ist der Kaffee leider nicht. Egal. Wärme.

Der Tag wird gemütlich, wir fahren mit dem Roller an-über-durch Pagoden oder deren Reste (vorbei), gehen auf der Handy-Landkarte verloren und finden uns wieder. Eine falsche Abzweigung endet in einem Flussbett – schweißgetrieben und kurz fluchend schieben wir unser Gefährt mit durchdrehenden Reifen durch den Sand. Wir finden den richtigen Weg erst, als wir eine Schlange am Wegesrand passieren. Herzrasen. Es war eine Chinesische Rattenschlange, harmlos für den Menschen – finden wir aber erst später raus.

Nach der Prüfung: die Belohnung in Form einer Ruine, von der wir den letzten Sonnenuntergang in Bagan erleben. Zusammen mit einem englischen Ehepaar, die hier Ihre Hochzeitsreise verbringen und von Durchfall im Zug berichten.

Am nächsten Morgen geht die nächste Turboprop nach Heho. Am Flughafen schaut der Sicherheits-Mann seinem Sohn beim Handyspielen zu, während wir mit allen Flüssigkeiten und Kaffee in der Hand passieren dürfen. Und erleben englisch-nationales Selbstverständnis: Urlaubslektüre eines jungen britischen Paares (in einer ehemaligen Kolonie des Königreiches): How Britain made the modern World.

Die Flughäfen sind so rudimentär und bunt, es wirkt wie in einem Wes Anderson Film. Vor uns eine stolze, Burmesische Dame mit traditioneller Kopfbedeckung: Frottierhandtuch. Macht man hier so.

30 Minuten Flug, der Taxifahrer trägt Cowboy-Hut. Wir fahren am Ostufer des Inle-Sees entlang, fast an die südliche Spitze. Ein Resort nach dem anderen. Claire schüttelt den Kopf und erzählt, wie es mal war.

Serenity heißt Gelassenheit. Und so unser nächstes Hotel. Und unsere Behelfs-Lüge vom Vortag zahlt sich aus: in einer kurzen Mail schrieb ich, bei unseren letzten Unterkünften in Myanmar hätten wir weniger Glück gehabt, wir wünschen uns Wiedergutmachung.

Und die sieht so aus: Pfahlhaus-Villa 214, letzte am Steg rechts. 100 qm groß, 180 Grad Blick auf den See. Von der Terrasse: Sonnenuntergang, UltraultraHD, Breitbild. Das Hotel ist etwas in die Jahre gekommen – was es aber noch romantischer macht. Alles aus Holz, der Geruch erinnert an ein dänisches Ferienhaus. In der Sonne knarzen die Dielen, das Gebälk knackt. Das Wasser reflektiert die Sonne an die Decke. Nebenan Sofitel-Resort, die Nacht 200€, alles neu – wirkt völlig fehl am Platz.

Am Nachmittag, das erste Mal im Leben der Eltern: Room Service. Club Sandwich, im Gepäck hatten wir noch echten burmesischen Rotwein. Aus Kaffeebechern. Marie summt, wir auch. Vor uns befreien Frauen auf Einbaum-Kähnen die Seefläche von Wasserhyazinthen.

Nachts schläft das Kind durch. Es ist richtig kalt ohne Sonne, die ersten Gäste des Hotels lassen sich am nächsten Morgen von Longtail-Booten, im Nebel, auf den See fahren. Wir trinken Kaffee auf dem Holzdeck. Natur ist besser als jede Stadt, murmele ich. Claire nickt schlaftrunken. Ein blauer Eisvogel frühstückt einen Fisch.

Und Marie? Die fängt an zu krabbeln.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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