Zoo.

Mingalabar, sagt der Mann, der sich als unser Kapitän vorstellt. Es ist kein Zauberspruch sondern heißt „hallo“ auf Burmesisch. Es klingt aber wunderschön und wir haben es in den vergangenen Wochen so oft gehört wie gesagt.

Er heißt Myint Oo.

Oo strahlt Ruhe aus, sein Longtailboot hat einen goldenen Rand und wenig später versenkt er die Schiffsschraube im Wasser. Diese Hebelbewegung ist entscheidend – der Inle-See ist nicht überall sehr tief und es gibt häufig Treibgut. Schiffsschraube rein, Schiffsschraube raus. Das Gut sind schwimmende Inseln, die in großem Stil als Gärten genutzt werden: hier wachsen Tomaten, Auberginen und Blumen auf dem Wasser, die Gartenparzellen werden per Bambusstange am Seeboden verankert.

Also geht es los. Der Dieselmotor knattert lautstark über den See. Weil wir unsere Jacken in Yangon geparkt haben, tragen wir alle eine fast zweistellige Klamottenanzahl. Der Morgen ist kalt, im Schilf steigt Nebel auf.

Wir beginnen den Tag auf dem Nan Pan Markt, der der ursprünglichste auf unserer Asienreise sein wird. Hier wird verkauft, was die Gärten hergeben. Ziegenkopf neben Tomate neben Fisch neben Nüssen in Karamell neben Betelnuss neben Schnitzerei neben Cherott-Zigaretten.

Der Vormittag ähnelt ein wenig einem Zoobesuch oder Whale-Watching: sehen wir einen Fischer, der als Einbein-Ruderer über den See rudert, wird das Boot langsamer, damit wir Fotos machen können. Wir besuchen einen Silberschmied, Bootsbau, Seiden-und-Lotus-Weberei. Nächster Stop, nächstes Gehege: Volk der Longneck-Frauen. Wir sind unsicher, ob wir uns diese Tour so vorgestellt haben, aber es sind auf der anderen Seite lokale Traditionen, auf die die Menschen stolz sind. Weißwurst, Biergarten, Blasmusik und Tegernsee auf Burmesisch. Alle lachen, alle sind freundlich. You can bargain!

Den Nachmittag verbringen wir am Pool im Resort. Auch eine Form von Gehege. Die Gekkos, nachts in unserem Haus, unterhalten sich zu laut.

Zweiter Tag, Bootsführer: Oo, neues Ziel: die Shwe Inn Dein Pagode. Eine Stunde fahren wir einen Fluss-Arm des Sees hinauf, immer wieder gibt es Staustufen aus Bambus, die mit Vollgas mittig befahren werden wollen. Der Kapitän trägt heute lässig eine Sonnenbrille und hat etwas von James Dean.

Am Flussufer waschen sich Frauen, ein Mann seine Kuh.

Die Pagode sind viele kleine einzelne. Dieses Mal in neu und restauriert neben alt und verfallen. Aber wir merken, wir haben den Zustand „tempeled out“ erreicht. Ein Spalier aus Händlern versucht Ihr Glück, ohne Arme bemalt ein Herr eine Dose mit dem Fuß.

Per Boot zurück. Wir sehen noch ein paar Wale mit Fischernetzen, Marie findet es großartig. Am Abend versinkt die Sonne in einem rotem Meer.

Dem kommen wir nun auch wieder näher. Morgen geht der nächste Flug nach Yangon, zwei Mal Abendessen mit Waiwai, anderes Hotel. Danach ist das Kapitel Myanmar abgeschlossen. Ein unglaublich buntes und freundliches Land, welches sich in den Endzügen seiner Ursprünglichkeit befindet. Wer es bereisen will, sollte es bald tun. H&M, Starbucks und KFC haben sich schon auf den Weg gemacht.

Claire sitzt in der Abendsonne und sagt, sie freut sich so sehr auf das thailändische Essen. Marie untersucht ein Plastik-Krokodil.

Fische schwimmen unter unseren Füßen und graue Störche durchforsten das Schilf. Die gibts auch im Zoo. Aber in weiß.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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