Tabula rasa.

Die letzten Tage in Yangon und Bangkok waren immer unsere „Puffertage“ – damit wir Reisetage schieben können, falls jemand krank wird, damit wir Wäsche waschen können, Kinderkram wie Windeln einkaufen können und Dinge erledigen, die wir nicht geschafft haben. Solche Tage ziehen sich dann schnell wie Kaugummi – gerade wenn man Wäsche waschen muss und keine Dinge erledigen kann, weil einer krank ist.

Nicht Corona, sondern irgendwas Magen-Artiges. Ein bisschen Übelkeit, ein bisschen Fieber, alles nur halb und doch irgendwie bettlägerig – auf den letzten Metern hat es mich in Bangkok erwischt. Gehört dazu, nervt aber. Durch unsere berufliche Vorbelastung sind die gedanklichen Differentialdiagnosen aber die größere Belastung. Und mit Corona sah ich mich schon in australischer Quarantäne sitzen. Welch Hysterie!

Bier und Papaya-Salat haben aber gerade sehr gut geschmeckt. Es geht also aufwärts.

Der letzte Abend in Yangon war auch lecker – da wurden wir von Wai Wai zum Essen eingeladen. Es gab Gerichte, die nicht auf der Karte standen. Wir durften also nochmal Myanmar probieren. Wie schmeckt es? Bodenständig, herzlich, gastfreundlich, grad‘ ‘raus. Myanmar lächelt und erzeugt selbiges. Nur der Löwe im Gehege neben dem Hotel nicht. Der brüllt die ganze Nacht und verkündet ein Problem, welches uns wach hält.

In den letzten zwei Monaten haben wir südostasiatische Gegenteile besucht: Thailand, erfahren im Tourismus seit 30 Jahren, sicherlich mit einer seiner Hochburgen wie Koh Pha-ngan. Wir haben versucht, dort dem Massen-Tourismus aus dem Weg zu gehen – was oft sehr gut gelang, manchmal völlig chancenlos war. Die kleine Dame ist unsere Erklärung für die Zielwahl. Dennoch ist die Insel an einem Punkt angelangt, wo Ursprünglichkeit vielleicht noch der Heckscheiben-Aufkleber „Long live the King“ bedeutet. Mehr nicht.

80 Minuten Flug: Myanmar. Pendelt. Zwischen maximaler Armut und Golfplatz in Bagan. Pendelt zwischen KFC am Golden Rock und Regionen, wo körperliche Gewalt durch den Staat dem Touristen droht. 8 Wochentage, eigene Zeitzone.

Es waren wunderbare Wochen, die wir uns viel komplizierter vorgestellt haben, als sie am Ende waren. Auch dort gibt es kleine Kinder und es gilt, wie immer: erstmal auf dem Weg, ist das Gehen gar nicht schwer.

Der Weg geht jetzt weiter: Gate E9, Ziel: Downunder. Sydney. Feuer sind aus, wir kommen. Ein merkwürdiger Premier bleibt. Wir freuen uns auf ein bisschen Normalität und Ruhe. Burger, ohne Hühnerfleisch und eine Flasche Wein. Eine haben wir im Gepäck: ein Gruss eines Kollegen, überreicht als Mitbringsel durch Kollegen in Yangon. Mit vier Tuben Windelcreme und einem Stoffhund – Vielen Dank. Perfekte, kleine Welt. Freundeskreis.

Die haben ja mal über Tabula rasa gesungen. Machen wir jetzt auch. Zählen wir also mal vor dem Abflug zusammen:

Flüge: 7

Ausgepackt/Eingepackt: 14 Mal

Anti-Mücken-Spray: 4 Flaschen

Fortbewegungsmittel: Flugzeug, Nachtzug, Fähre, Auto, Tuktuk, Doppeldecker-Bus, LKW, E-Roller, Fahrrad, Longtail-Boot, Jeep, Gondel

Magen-Darm: 1,5 Mal

Schlangen: 2

Fried-Rice-Bestellungen für Marie: gefühlt 30

Kältester Ort: Inle-See nachts

Heißester Ort: Koh Pha-ngan

Durchschnittsalter Touristen Ko Pha-ngan vs. Myanmar: 24 vs. 49

Friseurbesuche: 2

Silvester: 2 – frohes neues Jahr der Ratte!

Marie auf fremdem Arm: 150-200 Mal (realistisch geschätzt)

Flaschen Wein: 2,5

Schärfeskala 1-10: 12 – Abendessen in Bangkok, Schnappatmung im Sri Trat

Laundry-Service: 7

Abflug: jetzt. Südhalbkugel – Teil 2 der Reise.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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