Bananenbrot.

Es regnet. In Bindfäden, seit Stunden. Genau so lange liegen wir im Bett und lassen es einfach geschehen. Gedankenverloren. Das Blechdach erzeugt ein betäubendes Rauschen, wir lesen oder bringen Marie den Eskimokuss bei. Gemütlich.

Beim Frühstück am Mittwoch kommt Leonie vom Strand wieder und lacht. Erneut hat sie eine junge Frau angezischt, die ein Selfie von sich am Strand gemacht hat und danach nur auf Ihr Handy geguckt hat. Sie macht sich einen Spass daraus und faucht: Stop texting hashtags, look at the view!

Bananenbrot – möchtet Ihr es mit Butter und getoastet, fragt die Kioskbesitzerin. Vor lauter Überraschung verneinen wir im ersten Moment. Sollte ja nur ein bisschen Wegzehrung für die Tochter sein. Die Idee ein Stück Kuchen zu toasten und mit Butter zu bestreichen, klingt nach Sydney.

Hier geht es hauptsächlich um Genuss, vor allem am Leben. Beginnt bei einer schnellen Jogging-Runde in der Mittagspause am Meer durch den Botanischen Garten und endet bei einem etablierten Feierabendbier-im-Pub. Oder eben getoasteter Kuchen.

Der Kiosk ist auf dem Weg vom Bondi-Beach nach Coogee, ein Holzweg an der Steilküste. Offenes Meer. 2000 Kilometer tasmanische See, dann kommt Neuseeland. Wir laufen und unterschätzen die Kraft der Sonne. Essen Fish‘n‘Chips und füttern Möwen mit Pommesresten.

Den Abend verbringen wir auf unserem Balkon, öffnen die Flasche Weisswein aus Deutschland. Beobachten, wie bunte Papageien in den Bäumen diskutieren und die Flughunde in der Dämmerung durch die Strassen fliegen. Fliegende Füchse. Die Sonne hat uns rot und gold-braun angemalt.

Die Tage in der Stadt tun gut. Wir schöpfen aus den Vollen. Kaufen Marie ein Geburtstagsgeschenk und neue Klamotten, weil die gleichen 4 TShirts nach all den Wochen nerven. Oder sie sind bauchfrei – nach all den asiatischen Künsten der professionellen Reinigung-Services.

In nahezu heiliger Erinnerung (als 16jähriger) hatte ich ein Schwertfisch-Steak im Fischerei-Hafen von Sydney. Dahin spazieren wir am Mittag und erfahren pure Ernüchterung. Gar Enttäuschung. Umgeben von, hoffentlich Virus-freien, Chinesen, ist es ein Ort der Wahrheit. Alle verkaufen das Gleiche: Hummer, Krebse, Scampi, Austern und Kalamari-Ringe. Der Chinese wünscht es so und ist bereit es zu zahlen. Die romantische Vorstellung von einem Fischer, der den Catch-of-the-day auf Eis präsentiert und später in die Pfanne haut, ist 20 Jahre alt.

Wir essen Baramundi, geben dem wartenden Pelikan im Wasser etwas ab und gehen, mit hängenden Schultern, zurück nach Surry Hills. Früher war alles besser. Trotzdem bleibt Sydney eine traumhafte Stadt!

Morgen geht es nach Neuseeland. Aotearoa. Wettervorhersage ist fantastisch, die vor einem halben Jahr gebuchten Unterkünfte sehen gemütlich aus. Wenn die nächsten Gastgeber auch einen Kopfstand in der Küche machen, wie es Leonie am Morgen vorgemacht hat, geht es grossartig weiter. Ohne Chinesen, die dürfen ja erstmal nicht einreisen. Läuft. Ohne hashtag.

Eskimokuss.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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