Kiwi Cream.

Kia ora. Endlich sind wir hier – 18 Jahre ist es her, als ich die Insel verlassen habe. Die Zollbeamtin ist total begeistert – von der grinsenden Marie und unserer Absicht, meine damaligen Gasteltern zu besuchen. Wir haben noch nie so nett geplaudert, als wir Stempel in unsere Pässe bekommen haben. Die Polizistin der Bio-Sicherheit plaudert weniger, lässt sich aber die Schuhsohlen der Wanderschuhe zeigen und studiert die Inhaltsstoffe von Marie‘s Baby-Kost. Ein wenig hysterisch – die Angst vor „Schädlingen“.

Kurze Zeit später sind wir bei Seini Jensen, ehemalige Furneaux. Meine alte Gastschwester. Und natürlich Ihrem Ehemann, Wilmason. Von Samoa. Per schwarzem Golf sind wir angereist, gibt es zur Begrüßung Fish‘nChips, Rugby im TV und Steinlager-Bier. So wie früher, als hätte sich nichts verändert. Die Chiefs gewinnen.

Wir wohnen im Kinder-Jugend-Zimmer von Laga, ihrem Sohn. 15 Jahre alt, rudert im 8er-Boot der Schule – ein Hüne. Als wir ein paar Tage später, als Dankeschön, Spagetthi Bolognese kochen, isst er 4 Teller.

Sie wohnen in einem Neubau in Glen Innes, nicht weit vom Wasser. Sehr gediegen. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, hat Marie Geburtstag.

Nach einem gemütlichen Frühstück, gehen wir spazieren. Erneut Immobilien, die so schön wie unverschämt sind. Provokationen in Häuser-Form.

Am Nachmittag beginnen wir einen Grill-Exzess. Marie hat ja Geburtstag. Lamm, RumpSteak, Bratwürste mit Merlot und schwarzem Pfeffer. Wilmason‘s Schwestern kommen zu Besuch – Marie hat ja Geburtstag. Das Essen gleicht einer Vollnarkose. Für Marie wird Klavier gespielt und Chor-artig gesungen, es gibt einen Kuchen und wir gucken gemeinsam Disney‘s Moana. Südseefilm. Alle singen mit – was für ein Geburtstag!

Am nächsten Morgen fahren wir per Zug nach Downtown-Auckland. Noch vor München in Sachen Lebensqualität. Die Innenstadt ist jedoch genauso trostlos wie vor 18 Jahren – stets bemüht, aber Puh-ja-gehtso. Am Hafen Luxus-Jachten für dreistellige Millionenbeträge, wir essen Fisch – der Thunfisch schmeckt der Tochter nicht. Am Abend besprechen wir bei Rotwein die kommenden Wochen, sind nach einem Telefonat zu Ostern bei meinen Gasteltern eingeladen und vergleichen die Kalender, um Rugbyspiele im Stadion zu finden.

Dienstag brechen wir auf in den Norden. Whangarei als Ziel, genauer: Pataua. Airbnb, Gastgeberin Rose. Sie käme erst am Abend, Häuschen sei offen – kommt wann Ihr wollt! Auf dem Weg machen wir eine kleine 3,5h-Wanderung und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus – Mangawhai Cliff Walk. Absurdes Licht lässt das Meer in allen blauen Tönen leuchten, landwärts ein Zikaden-Konzert aus grünem Wald. Unbeschreiblich.

Am Abend erreichen wir das Haus von Rose. Sie hat uns einen Hochsitz und Babybett besorgt, in der Dusche sei BabyShampoo. Wir öffnen eine Flasche Rosé, kochen nach Wochen endlich wieder allein, nur für uns – Carbonara. Wir sind selig!

Und Kiwi Cremé? Die gab es zum Geburtstag von Marie. Isst man mit Chips. Neuseeländer würden es lieben, wir müssten es probieren – sagt die viel zu dicke Schwester von Wilmason. Es ist reduzierte Sahne (angeblich 40% weniger Fett) mit Zwiebelsuppe-Trockenpulver von Maggie. Wurde in den 70ern im neuseeländischen Fernsehen beworben, wurde danach zum „Nationalgericht“. 1 von 3 Neuseeländern ist übergewichtig, 66% der Dicken kommt von pazifischen Inseln. Nach 8 Minuten ist die Schale leer – Marie hat ja Geburtstag.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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