Die Hände der Queen.

Irgendwie sind wir froh, als wir aus Pataua hinausfahren. Unsere Verdachtsdiagnose hat sich bestätigt. Das Alkoholproblem von der Gastgeberin Rose ist ausgeprägt, führt zu einem fetzen Rausch am Mittag, der Sie über die Straße wanken lässt. Schöner Strand, Rochen in der Flussmündung, fader Beigeschmack.

Auf dem Weg in den Norden machen wir Halt an der Whale Bay. Nachdem wir an gelben Hinweis-Schildern „Kiwi“, tollpatschigen Kamikaze-Pukeko-Blesshühnern und grünen Weiden vorbeigefahren sind, blicken wir erneut auf türkisfarbenes Pazifikwasser. Kristallklar. Wir alle genießen die Abkühlung, Marie später händeweise Sand in den Mund. Scheinbar erschmeckt die junge Dame Neuseeland. Orale Phase nervt.

Kurz vor dem Ziel halten wir an einem Fish‘n‘Chips-Shop. Als ich nach einer Gabel frage, sagt der Kerl hinter der Theke, selbst die Queen esse Fish‘n‘Chips mit den Händen, ohne Gabel. Der Konter, seit wann Neuseeland sich um die Queen schert, fällt mir erst im Auto ein.

Wir erreichen die Bay of Islands. 144 Inseln in einer Bucht. James Cook war auch schon mal da. Die kommenden Nächte schlafen wir bei John und Sue. Und Marco, der Hof-Hund. Die ersten Beiden sind alte Kiwi- und Zitrusfruchtbauern. Alles verkauft, es bleibt das Bauernhaus mit eindrucksvollem Garten und Pool. Vor unserem Gästebungalow stehen Bananenstauden, um uns herum sitzen Millionen Zikaden. Schöner Lärm. John erklärt uns die Gegend, lacht über 130-$-Kiwi-Nacht-Safari („die sind doch überall“) und erzählt, auch Sie hätten ein Enkelkind, 1,5, lebt in London, bisher nur über Video gesehen. Am Abend grillen wir Steaks unter dem Carport.

Nächster Morgen. Kaffee vor der Tür, langes Frühstück. Wir wollen die Gegend erkunden und die nächsten Tage mit der Touristen-Information planen. Dort angekommen heißt es: für die kommenden Tage gibt es nur noch einen Platz, jetzt gleich um 13:00. Red Snapper angeln – mein Traum.

Darren heißt der Guide und Kapitän, stolzer neuseeländischer Seebär. Hat seine Blutgruppe auf den rechten Unterarm tätowiert. In den folgenden 4,5 Stunden hält er nahezu einen Monolog. Angler-Latein. Größer, Länger, Gefährlicher. Er hat alles schon gefangen und erlebt. Inklusive einem Hund auf hoher See mit Schwimmweste. Der Hund hieß Harry und ist von einem Segelboot gefallen. Alle lachen, alle schauen auf die Spitzen Ihrer Ruten.

Was dann passiert, kennt man nur von DMAX. Später zittern meine Hände und Unterarme, am nächsten Tag habe ich Rückenschmerzen. Begleitet von einer Mischung aus Euphorie, Kopfschütteln, Stolz, Demut, Jagdfieber, Dankbarkeit und Glück. Die Mischung ist 7,8 Kilo schwer, schmeckt hervorragend auf dem Grill, mit Zitrone und Rosmarin.

Haie gehören ins Meer, den lassen wir wieder frei. Sagt Darren. Karma.

Am nächsten Morgen ist es bewölkt. Weil wir eigentlich an den Strand wollten, die orale Phase aber zu anstrengend ist, sind wir zunächst leicht orientierungslos. Ungewohnt. Manchmal scheitert man dann doch dabei, einen eleganten Spagat in der Tages-Gestaltung mit Kleinkind hinzulegen, wo es doch theoretisch im Kopf so leicht erscheint.

Per Buggy am Kerikeri River entlang, durch einen Kauri-Urwald hindurch. Schuhe waschen, Marie schläft. Der Weg ist länger, als wir dachten. Umdrehen, Cappuccino am Stein-Speicher. Neuseeländer sind stolz darauf, es sei das älteste Geschäft des Landes. Gebaut 1832. Überschaubare Geschichte.

Den Rest des Tages vertrödeln wir, hängen in der Luft und in den Seilen. Marie schläft mehr als das Sie wach ist. Solche Tage gibt es also auch downunder.

Morgen geht es ans Cape Reinga, nördlichste Spitze Neuseelands. Dort kommen zwei Ozeane zusammen. Die Tasmanische See und der Pazifik. Die Maori glauben, Mann und Frau. Darren sagt, 60 Kilometer weiter im Meer, ist die Insel Three Kings. Dort gäbe es Red Snapper mit 16 kg. Hat er schon gefangen. Und ich denke: Isst die Queen die dann auch mit den Händen?

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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