Mauao.

Mount Maunganui. Fast 20 Jahre. Es fühlt sich immernoch gut an, die Oceanbeach Road entlang zu fahren. Vorbei an Omanu Beach, Surf Live Saving Club. Die Superette, also der Strandkiosk, ist immernoch an der gleichen Stelle. Viele Häuser sind neu, viel zu chique. Die neuen Bewohner sind aus Auckland und kommen nur am Wochenende oder im Urlaub vorbei. Der Ort ist explodiert, die Immobilienpreise auch. Alle wollen hierher – Claire nennt den Ort “Kitzbühel Neuseelands”.

Golf Road runter, Waitui Grove rechts rein. Alter Schulweg. Hier war und ist das College und der dazugehörige Rugbyplatz. Wieviele Stunden ich hier verbracht habe. Eine Art von absurdem Dejávù schleicht sich ein – 16jähriger, voll-pubertierender Austauschschüler, “plötzlich” mit Tochter und Frau. Strange.

Der Strand ist magisch. Gefühlt unendlich lang, am nördlichen Ende der Berg. Die Maori Legende besagt, es war mal ein Berg ohne Namen, der sich von den Waldmenschen im Meer umbringen lassen wollte. Weil die Sonne aufging, ist der Deal nicht aufgegangen und er ist an der Küste hängengeblieben. Kein schönes Märchen. Die Wellen und das Wasser fühlen sich an wie damals.

Wir wohnen bei Gail und Ihrem Mann. Sie versorgen uns mit frischen Pflaumen, Passionsfrüchten und Feigen, bieten uns an, Surfbretter aus der Garage zu nehmen. Abends grillen wir Lamm im Vorgarten. Der Garten Eden.

Die jetzige Unterkunft ist, 18 Jahre später, genau 102 Adressen weiter südlich. Früher Oceanbeach Road 270, jetzt 372, gleiche Strassenseite. Zweite Reihe: Ozean. Die 270-Adresse wurde von meinen Gasteltern vor 6 Monaten verkauft. Der Verkauf schmerzt sogar Claire. Der Anblick des Gartens, der immer eine grüne Hölle mit Zitronen- und Orangenbäumen war, bringt endgültiges Leid. Die neuen Besitzer haben sogar die Bäume vertrocknen lassen. Gentrifizierung am Arsch.

Für einen Ausflug verlassen wir die Stadt und fahren in das Landesinnere. Rotorura. Hier riecht es nach Pups. Überall. Eigentlich ist der Geruch Schwefel, überall blubbert und dampft es: Vulkane und Geysire. Und natürlich kostet alles Eintritt. Irgendwie haben die Neuseeländer die Portemonnaies der Chinesen entdeckt – die sind zwar aktuell nicht da, aber wir bezahlen trotzdem. Macht keinen Spaß. Trotzdem beeindruckt der Champagner-See mit perlender Kohlensäure und der neongrüne See mit einem pH von 2. Orte, die einem ständig sagen: Mensch, du hast hier nichts verloren!

Hobbiton lassen wir erstmal weg. Original-Filmkulisse von Herr der Ringe, Eintritt pro Person 50€ für zwei Stunden. Wir essen dafür lieber Blumenkohl-Salat in der Stadt, Marie lutscht vergnügt Eiswürfel.

Im Auto philosophieren wir darüber, was Neuseeland und die Einwohner so reizvoll macht. Das Fazit ist eine Mischung aus Allem: Beginnt bei Avocados und Passionsfrucht aus dem Garten, Fisch holt man sich selber oder der Nachbar per Boot oder am Strand. Häuser aus Holz, weil es im Winter nicht so kalt wird – große Schiebetüren, die mehr offen als geschlossen sind: die Freizeit verbringt man auf der Terrasse, im Garten oder am Strand. Irgendwo da steht auch der Grill: BBQ ist Nationalgericht. No Worries = neuseeländische Standard-Antwort.

So machen wir es dann auch am nächsten Tag: zum Frühstück frische Maracuja, Schiebetüren auf. Blanke Sonne. Strandspaziergang, Muscheln sammeln (und in den Mund nehmen), abends Fisch auf den Grill: Tarakihi und Gurnard. Mit Zitrone, Salz, Pfeffer und frischer Petersilie vergisst man Eintrittspreise, Thüringen, Jens Spahn und China. Sofort.

Morgen geht es Richtung Wellington. Zu meinen alten Gasteltern, Paul und Lita Furneaux. Alle sind aufgeregt. Gefühle in Neuseeland, fast wie vor 20 Jahren.

Aus meermenschen.wordpress.com wird meermenschen.blog . Zeiten ändern sich. Und die Kiwis im Kühlschrank: die kommen aus Italien. No worries!

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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