Nutella.

Die Tür steht offen. Viele Neuseeländer lassen die Haustüre tagsüber einfach auf. Man ruft „knock knock“ oder Ähnliches und betritt dann das Haus, den Garten oder wartet. So tun wir es ebenfalls, kurze Zeit später folgen herzliche Umarmungen mit meinen alten Gasteltern. Paul hat Tränen in den Augen, Lita hat Nutella gekauft. So wie damals, Nutella hätte ich scheinbar gerne zum Frühstück gegessen. Fehlende Erinnerungen an jene Zeit werden zu einer wiederkehrenden Situation in den kommenden Tagen: es ist beeindruckend wie wenig haften blieb – im Hirn eines Pubertierenden damals.

Die Möbel aus Mount Maunganui stehen jetzt in neuen Räumen, die gleichen Bilder hängen an anderen Wänden. Sonderbare Vertrautheit, unendliche Gemütlichkeit. Am Abend kommt mein alter Gastbruder William zu Besuch – mit Frau Maea und Tochter Aria, 4. Wir grillen, wie früher. Marie sitzt im Rasen und staunt. Alle lachen viel.

Am nächsten Tag holen uns Paul und Lita ab, zeigen uns Wellington. The Windy City. Hauptstadt. Wir gehen am Hafen spazieren, der Wind bestätigt sich – wir müssen unsere Hüte festhalten. Wellington ist sehr viel pittoresker als gedacht, der Hafen voller Kreativität. Per Auto erkunden wir die Hügel der Stadt – es erinnere Claire sehr an San Francisco, nur unamerikanischer. Am Abend gehen wir Essen – und verlieren uns völlig in einem herrlichen Sorbet zum Dessert.

Der Wecker klingelt früh am Morgen. Mit der Interislander Fähre geht es durch die Cookstrasse. 3 Stunden, von Delphinen begrüsst. Diese scheinen nur auf die Fähre zu warten, stürmen nahezu auf sie zu, um im Bugwasser zu schwimmen. Von herrlicher Sonne begleitet biegen wir in den Queen Charlotte Sound ein. Fjord Landschaft bis Picton. Erneut Delphine, die kleine Motorboote begleiten. Nach einer Mittagspause fahren wir mit dem Coastal Pacific. Eine Panorama-Zugfahrt. 6 Stunden entlang des Ozeans, der keine 50 Meter entfernt ist. Marie unterhält die alten Damen im Abteil, uns die Robben auf den Felsen. Der vorderste Wagon ist offen – zum Fotos machen!

Ein alter Taiwanese beherbergt uns in seinem Hotel für eine Nacht. Wir sind die einzigen Gäste. Salat Garnitur am Frühstücks-Ei. Gespräche über China und Trinkwasser.

Einzug. Montags beziehen wir unseren Camper. Im Vergleich zu all den VW-Bus-Urlauben haben wir plötzlich ein Schlaf-, Kinder- und Wohnzimmer. Backofen und Tiefgefrierfach. Für 4 Wochen werden wir mit dem Einfamilien-Auto, im Uhrzeigersinn, um die Südinsel fahren. Ein Großeinkauf folgt.

Die erste Nacht verbringen wir am Lake Ellesmere. Es gibt kalten Rosé zum Einräumen der Fächer und Schränke. Zum Abendessen beobachten wir Löffelreiher und große Schwärme Tanzmücken. Der Sternenhimmel ist “ganz okay” für den Start.

Auf Grund einer Einjährigen gibt es einen beeindruckenden Sonnenaufgang (zu sehen), danach Frühstück mit Toasts aus der Pfanne. Wir fahren an den Rakaia Fluss und dessen Schlucht, unterhalb des Mount Hutt. Es regnet, später Gewitter! Gemütlichkeit breitet sich genauso schnell aus wie der Duft von Kaffee.

Der Campingplatz-Mann fragt, wieviele wir seien und woher wir kommen. 2 und 1 Baby. Deutschland schreibt er auf, noch ehe es ausgesprochen ist. Claire fragt, woher er dies wüsste. “2 Erwachsene und ein Baby sind immer Deutsche. Elternzeit. How lucky you are!”

Ja. Regenbogen-Knopf.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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