Kitkat.

Geburtstagskuchen. Claire’s Ehrentag beginnt mit Nieselregen und Frühstück im Wohnmobil. Wir beobachten Nachbar-Camper, die durchgefroren aus Zelten klettern. Zwei junge Damen wünschen sich unter der Dusche, nicht wieder hinauszumüssen. Wir machen uns wieder auf den Weg, wollen nach Timaru in den Süden. Vorher muss aber noch “Grauwasser” und Toilette geleert werden, der Entsorgungsort ist auf der anderen Fluss-Seite.

Natürlich gibt es schönere Dinge als Abwasser-Expertise – aber es läuft und die Systeme sind hygienisch beherrschbar. Was scheinbar nicht beherrschbar ist und uns sowohl Nerven, Claires Geburtstag als auch 1,5 Tage kostet: meine Fahrkünste. Fuck. Zu früh eingeschlagen, hält ein Holzpflock den Camper fest. Verbiegt Stossdämpfer, reißt Kabel aus Rück-Lichtern. Nervt brutal. Wir überlegen Konsequenzen, erinnern uns an die all-inclusive-Versicherung. Hotline. Schleife. Bitte Warten, Moment, wir kümmern uns.

In Timaru angekommen schickt man uns zu einer Hinterhof-Werkstatt. Lackierer. Für GTA, dem PlayStation-Spiel, wäre es ein gutes Vorbild: Los Santos Customs, Pay’n’Spray. Die Jungs sind aber überfordert, hauen mit dem Hammer auf die Metall-Stoßstange, geht nicht. Wieder Hotline. Wieder warten, einen Moment. Ich stürze in eine Kurzzeit-Depression. Beste Lösung am Ende: Zurück nach Christchurch, Camper tauschen.

„Heute kann es stürmen, regnen oder schnei’n“ zum Teufel. Happy Birthday – es tut mir leid. Das es immer noch regnet – dafür kann ich nichts.

Nächster Morgen: Sonne, Salami-Toast auf die Hand. Nach 2 Stunden Fahrt wieder zurück in Christchurch, erklärt die Chefin: der Tausch-Camper kommt erst um 16:00 und sei sehr viel älter. Was wir davon halten, dass der Mechaniker “unseren” Van schnell repariert. Super! Nach zwei Stunden ist der Inder fertig, freut sich über das Kitkat, welches wir ihm schenken. Back on the road.

Und dann tauchen wir ein – ins Hinterland der Südinsel. Berge, Wälder, türkis-farbene Seen. Schafe auf der Straße. Tote Possums am Straßenrand. Nächster Halt: Opuha-See. Wir übernachten auf einer Wiese, alleine, vor herrlicher Kulisse.

Die Fahrt führt uns an den Lake Tekapo am nächsten Morgen. Hellblau. Warnschilder auf Chinesisch – Danke Corona für diese Einsamkeit. Auf dem Mount John gibt es im Astro Café wunderbaren Cappuccino. Was für ein Leben. Die Asiatin in der kleinen Maut-Station im Tal ist mit Maske, Gesichts-Schild und Regen-Cape antiviral das Maximum, was wir auf unserer Reise bisher gesehen haben. Bedenkt man, die maximale Isolation, in der sie arbeitet, entweder absolut berechtigt oder das Maximum an Hysterie. Neuseeland Virus-Fälle: 3

Bilderbuch-Straßen führen uns an den Pukaki-See. Wir kaufen lokalen Berg-See-Lachs und beginnen den Abend mit Sashimi und Weißwein. Nach Stellplätzen wie diesem, muss man in Europa lange suchen. Mount Cook am nördlichen Ende des Sees – in allen Farben. Zum Abendessen Lachs-Ceviché auf Toast – meine Schwester schreibt mit ironischem Unterton: typisches Camper-Essen. Stimmt.

Alle schlafen “ganz okay”, erneut frühes Frühstück. Am Vormittag wandern wir den Hooker Valley Track. Über Hängebrücken und Holzpfade, immer den höchsten Berg Neuseelands im Blick. Es ist recht einfach, Peter Jackson zu verstehen, dass Herr der Ringe nur in Neuseeland spielen kann. Marie kämpft mit Wind und Schlaf. Mittagessen im Camper, Bergpapageien im Hintergrund.

Weil Regen angesagt ist, machen wir uns auf – Richtung Meer. Zwischenstation Campingplatz Kurow, am Waitaki-River. Highlanders-Gebiet. Vergleichbar mit der Champions-League, aber eben Rugby und immer die gleichen Teams, früher 12, heute 15. Länderübergreifend, Südhalbkugel.

Pita Alatini, Jeff Wilson und Byron Kelleher. Highlander Spieler vor 18 Jahren, meine damaligen Stars in einem nahezu unschlagbaren Team. Einige Namen brennen sich ins Gedächtnis ein, Landschaften wie diese sicher auch.

Stoßstangen nur vielleicht.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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