Refugere.

Corona. Pandemie. Ausnahmezustand. Hamsterkäufe. Quarantäne. Infektion. Beatmung. Tote.

Meer. Berge. See. Camping-Van. Rosé-Wein. Pinguine. Strand. Südsee.

Wie gehen wir mit all dem um? Wie geht es für uns weiter? Gibt es Konsequenzen oder Informationen, die alles verändern oder entscheiden? Schreiben wir den Blog weiter, als gäbe es all die Nachrichten aus Europa nicht und führen unseren „Urlaub“, der auch ohne Corona schon, für manch Daheim-gebliebene, eine Provokation war oder ist, einfach so, digital, fort?

Der Anästhesist in uns sagt, auch unter Beatmung, mit der richtigen Sedierung, kann man eine Internetseite lesen. Zumindest gibt es so bescheuerte Werbeanzeigen in Fachzeitschriften. Dann wäre Einem mit unseren Beiträgen zumindest nicht langweilig. Die Wahrheit liegt wohl eher im Alltäglichen: Unterhaltung. Und wer es nicht erträgt oder zu grotesk empfindet, kann ja in ein paar Wochen wieder einschalten, wenn es wieder heißt:

Wir sitzen in Kingston am Lake Wakatipu. Glasklares Wasser, keine 10 Meter von der Autotür. Wir hatten mit vorhergesagtem Regen gerechnet, die Sonne war jedoch am Nachmittag so heiss, dass wir Baden gegangen sind. Danach erfrischender Rosé. Das Gewässer erinnert ein wenig an den Garda-See – ohne Menschen, Malcesine, Boote und Brenner. Um uns herum parken mehr als 30 Wohn-Mobile aller Art – rollende Wohnzimmer und Backpacker-Style mit Matratze im Kofferraum.

Am Morgen haben wir das Meer verlassen, die Nacht in Riverton verbracht. Ein kleiner, familiärer Camping-Platz über einer lang-gezogenen Bucht. Die Wanderung am Abend tat allen Beteiligten gut, machte müde zur Nacht. Das nah-gelegene Invercargill, die südlichste Stadt des Landes, war so langweilig, dass jedes Alkoholproblem der Einwohner nachvollziehbar erschien.

Die Autofahrten vertrieben wir uns mit dem Hören von Drosten‘s-NDR-Podcast. Drosten ist der Infektiologe aus der Charité, bringt die Dinge und das Wissen auf den Punkt und relativiert Vieles. Pandemie-Definition vor Südinsel-Kulisse. In der Nacht hat die neuseeländische Regierung beschlossen, dass alle neuankommenden Touristen 2 Wochen in Quarantäne müssen – der Flug meiner Schwester wurde annulliert. Spannend, traurig, erschreckend zugleich.

Die Tage zuvor verbrachten wir an der Catlins Coast, Curio Bay. Haben vergeblich Pinguine gesucht und Wasserfälle erklummen. Versucht, Hector-Delphine unter Wasser zu fotografieren – die Ergebnisse auf der Kamera hatten eher die Message: Nice Try! Die fossilen Baumreste danach waren genuröser, der südlichste Punkt der Insel wunderschön dezent. Weil wir ja im Urlaub sind, haben wir uns Eggs Benedict mit Räucherlachs und Cappuccino gegönnt. Neuseeland war also gut zu uns…vielleicht gewährt man uns ja sogar Asyl.

Gedanklich richten wir uns ein, länger zu bleiben. Hoffen, unser Visum recht einfach verlängern zu können. Warten ab. Als ich zuletzt in Neuseeland war, gab es auch eine weltumfassende Unruhe: 11. September. Scheinbar ist Neuseeland mein Refugium. Es gibt wahrlich schlechtere Orte, um die Nachrichten oder den Virus zu „erleben“, als jenen Ort, an dem Fotos wie Bildschirm-Schoner aussehen. Isolation im Camper-Van. Näher am Südpol als am Äquator.

Dem Van nebenan hilft Marie, laut gestikulierend, aus dem Fenster guckend, mit Zeigefinger erhoben, beim Einparken. 85 cm Diktator. Auf der Van-Seite klebt ein Aufkleber: Life rocks when your living room rolls.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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