Tasman.

Da lässt man Euch einmal alleine, will in Ruhe reisen…und dann macht Ihr so einen Quatsch! Und Deutschland schön oben dabei – EM ist abgesagt, es geht nicht um Platz 1! Wehe, ihr haltet die 0,4% nicht…

Aus einer Weltreise wird also scheinbar eine Halb-Weltreise. Wir waren auf Alles vorbereitet: Durchfall, Malaria, Dengue, Verstopfung, Stromausfall. Pandemie hatten wir nicht auf dem Schirm.

Seit unserem letzten Tagebuch-Eintrag hat sich unsere Lage auch verändert. Neuseeland kriegt Fieber. Es gab eine dramatische Ansprache der Prime-Ministerin – Alert Stufe 3, in 24 Stunden Alert Stufe 4. Mittwoch Nacht. Bei Alarmstufe muss ich immer an Command&Conquer denken. Stufe 4 bedeutet Ausgangssperre. Gleiches Spiel wie Ihr und Frankreich und der Rest. Mehl und Toilettenpapier ausverkauft, Nudeln, Babymilch alles weg. Weltweit reagiert der Mensch ähnlich bescheuert. Oder alle Anderen wissen einfach nicht, wie toll die Gerichte mit Mehl und Nudeln schmecken.

Anyway. Die letzten Tage waren regnerisch. Es gab Pizza mit kleinen Fischen und jede Menge Treibholz am Strand. Wir hatten Stunden am Meer, die so stürmisch waren, dass der Camper wie ein Boot gewackelt hat. Der Regen war ein von horizontal kommender Lärm. Gemütlich.

Wir sind wunderschöne Straßen gefahren, vorbei an türkis-farbenen Flüssen, schroffe Steilküste, Robbenkolonien. Und irgendwann kamen Nachrichten von meiner Gastschwester, dass es ungemütlich werden könnte. Später wurde aus könnte – wird. Wenn man anderen Campern begegnete, sah man viele fragende, besorgte Blicke. Konzentrierte Handy-Telefonate. Die deutsche Botschaft in Wellington schrieb: Bitte rufen Sie nicht an, kümmern Sie sich um sich selbst. Vielen Dank!

Durch einen wirklich glücklichen Zufall landeten wir auf einem privaten Campingplatz. Kina Beach Campsite. Wie im Film wurden wir zunächst, mit Sicherheitsabstand, durch Jenny, die Campground-Caretakerin, interviewt. In einem Apokalypse-Film oder in 4 Wochen, hätte das Gespräch durch ein selbstgebautes Holztor mit vorgehaltenem Gewehr stattgefunden. Letztendlich waren wir die Letzten, die am Meer parken durften. Gerne auch für Wochen.

Wir sind jetzt zu fünft. Es hängen Muscheln im Baum, es gibt eine Bibliothek, Frischwasser, saubere Plumps-Klos. Die heißen hier Longdrop-Toilets.

Wir gucken auf die Tasman Bay, sehen die Stadt Nelson, hören die Wellen 24/7. Können joggen gehen am Strand, Supermarkt 15 Minuten mit der Karre entfernt. Kommunen-Feeling. Über Dreadlocks in 4 Wochen darf sich also keiner wundern…

Was die Stimmung trübt, uns beschäftigt und die Lage nicht ganz so rosig macht – die Camper-Vermietung. Die riechen natürlich den Braten. Gestrandete Wale, wehrlose Touristen. Weil wir, halbwegs, ehrliche und anständige Leute sind/waren, erfragten wir, was eine Verlängerung kostet. Um es kurz zu fassen: die Angebote waren eine bodenlose Frechheit (2500€ pro Woche). Unsere Antworten gepfeffert. Des Lieds Ende: keine Einigung. Schlachtplan der Mürfels – wir warten auf Stufe 4, Mittwoch Nacht. Dann dürfen wir hier nicht mehr so einfach weg und bieten dem Unternehmen an, wir könnten Ihnen den Schlüssel am 31.03 per Post zuschicken, den Ort des Autos markieren wir auf der Schatzkarte. Können sie sich holen. Bis 31.03 brave Mieter, danach werden wir also vielleicht Besetzer. Kommunen-Feeling wie gesagt. Die Rote Flora von Tasman.

In der Zwischenzeit kann man sicher traurige Interviews mit heißen Lokalreportern führen. Wir haben ja Zeit. Gefangen im Paradies, das Wohnzimmer rollt nicht mehr. Nebenbei trägt man sich auf eine Liste des Auswärtigen Amts ein – Deutsche in Krisengebieten. Wägt ab, ob man sich auch in die Liste der Rückholung einträgt…erstmal nicht! Trotzdem alles eine Erfahrung.

Das Auto ist voll mit Mehl, Nudeln und Desinfektionsmittel. Wir haben 6 Familienpackungen 5-lagiges Klopapier. Nicht. Aber viel Wein und Käse. Könnte schlechter sein. Wenn man sich überlegt, wie herausfordernd und belastend man diese weltweite Situation empfindet, und dann aber an Menschen in Syrien oder an Oma&Opa vor 80 Jahren denkt…alles auszuhalten. Es fallen keine Bomben, keiner schießt, man soll einfach nur daheim bleiben und Serien gucken. Im Herbst werden wir zurückblicken und vielleicht Gutes entdecken. Wer weiß!

Wir begraben jetzt mal den toten Pinguin vor der Tür und zeigen Marie, dass man in den Schnecken das Meer hört. Eigentlich Quatsch – ist ja nur 15 Meter entfernt.

Fröhliche Quarantäne. Be kind.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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