Homomutatus.

Meermenschen. Nur „auf dem Wasser“ wäre noch eine Steigerung. Aber „am Wasser“, am Meer ist schon ganz richtig. Wir kriegen ein Gefühl für die Gezeiten, gewöhnen uns an die Temperaturen, den Wind, die Sonne. Kennen die Möwen-Familie, die am Strand vor uns wohnt und wissen, welche Vögel welche Laute machen. Tui, Pukeko, Fan-Tail. Bemerken den Himmel – ohne Kondensstreifen durch Flugzeuge. Danach hat Chris McCandless monatelang gesucht.

Wir lernen, wie wir möglichst wenig Strom im Camper verbrauchen, waschen Geschirr und Klamotten per Hand. Haben einen Rhythmus, wann wir, wie und wo die Flüssigkeiten entleeren. Einmal in der Woche gehen wir einkaufen. Zu unserem Inventar gehört jetzt eine Feuertonne, auf der man grillen kann und eine Hängematte. Die Menge an Sand unter Marie‘s Fingernägeln wird ein guter Indikator, wie der Tag war. Schwarz bedeutet pures Glück.

Wir müssen uns an diesen Zustand gewöhnen. Und uns, jeden Tag, an unsere Fortuna erinnern – gerade wenn man an die anderen Touristen denkt, die in teuren Motels Tütensuppe essen müssen, weil Restaurants geschlossen haben. In Neuseeland warten alleine 10.000 Deutsche, um von Frau Merkel abgeholt zu werden. Dann kommt der Heiko irgendwann und fliegt 30 Stunden in den maximalen Stillstand. Puh.

Am Ende muss man einfach aushalten, mitmachen und sich anpassen. Change-Management. Und so lange es all die verschiedenen Wege und Meinungen und Aussagen gibt, wie man, wo wann mit wem was macht und darf und soll und muss – so lange weiß eigentlich keiner genau, wie es wirklich geht. Der Umgang mit dieser Pandemie ist ein Experiment!

Dann doch lieber einen Bubbel-Beach. Wir gehen regelmäßig joggen oder stundenlang spazieren – abwechselnd nach links oder rechts, Motueka oder Mapua. Finden die schönen, geheimen Ecken des Reserves in dem wir leben – Jenny meint, es sei so, als würde man in einem Park wohnen.

Am nächsten Tag hat Chris Geburtstag. Am Abend wird gegrillt, der physische Abstand zueinander wird eingehalten. Wir sitzen im Garten hinter Jenny’s Truck. Es gibt Kartoffelauflauf aus dem Camper-Ofen, Pfannkuchen mit Muscheln von der Haus-Sandbank und selbstgemachtes Feigen-Eis. Die Liebe zum Alkohol wird von jedem einzelnen zelebriert, teilweise sind es Problem-Beziehungen. Marie spielt mit Max Socks, Chris spricht französisch und sagt, er mag diese Bubbel sehr. Als wir Marie ins Bett bringen, fangen die Alten an Petanque zu spielen. Mit Stirnlampen. Happy Quarantine.

Woche 1 von 4. Die Sonne und die Menschen machen es uns leicht. Wir sind uns bewusst, dass es sicher auch andere Tage geben wird. Tage, an dem wir keine Lust mehr haben, keine Geduld, zweifeln. Aber die gibt es auch ohne Corona. Es ist ein ewiges Spiel – kann man raus, geht man nicht. Darf man nicht, will man unbedingt.

Marie macht die Katze nach. Für heute Abend haben wir eine Chili-con-carne gemacht – für unser ganzes Dorf. Kina Beach Reserve – Strand der Seeigel.

Passt schon.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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