COVID-19 L4 breach report.

Der Vollmond beleuchtet die Wellen taghell. Die Spiegelungen auf den Wellenkämmen sind beeindruckend. Über uns ist ein Sternenhimmel angebracht, der viele Entdeckungen möglich macht. Zum Beispiel Elon Musks SpaceX Starlink Satelliten Abfolge: 15 Stück, gleicher Abstand, 28.000 Stundenkilometer. Um das Internet schneller zu machen. Spätestens zu Pandemie-Zeiten fragt man sich, ob das wirklich notwendig ist.

Wir sitzen mit unserem Dorf gemeinsam am Lagerfeuer. Trinken einen 2016er Sauvignon Blanc, vom Kina Beach Vineyard. Betrieben von einem Schweiz-Deutschen-Paar, denen wir vor ein paar Tagen eine email geschrieben haben. Mit Sicherheits-Abstand wurde uns der Wein zum Camp-Eingang getragen – Äpfel gab es als Geschenk dazu. Der Wein schmeckt fantastisch, die Stimmung ist ausgelassen. Marie hat plötzlich 5 Großeltern-Figuren mehr, verschlingt Oliven und genießt den absoluten Mittelpunkt – die Katze jagt im Unterholz.

Die letzten Tage haben an Geschwindigkeit verloren. Dafür hat der Tidenhub zugenommen. Die Flut ist keine 10 Meter mehr von unserem „Wohnzimmer“ entfernt, die Ebbe macht es möglich, auf Sandbänken weit hinaus zu wandern – und frische Miesmuscheln zu ernten. Teilweise handtellergroß. Mit Petersilie und Weißwein: ein Genuss.

Aber es ist nicht nur Robinson-Crusoe-Urlaubs-Aussteiger-Feeling. Es ist eine Berg-und-Tal-Fahrt. Gute und weniger-gute Tage. Zuversichtliche Gedanken und Visionen wechseln sich mit dunklen Voraussagen und Mutlosigkeit ab. Die Fremdbestimmtheit nervt. Wir wissen nicht, wie lange wir noch auf Reisen sein werden, wissen nicht, wie wir planen sollen und können. Schüsse ins Blaue. WhatsApp’s aus Deutschland, die unseren Weg bestätigen und gut-heissen. WhatsApp’s, die verunsichern und grübeln lassen. Vorsichtiges Vortasten bei der möglichen nächsten Airbnb-Adresse wird durch neuseeländische Angst erstickt. Die Neuseeländer sind unglaublich streng (mit sich), ziehen einen lock-down im Wuhan-Style durch. Angler in Booten werden von der Polizei gejagt, dem Gesundheitsminister, der 20km per Auto und Familie zum Strand gefahren ist, droht die Entlassung. Es gibt eine Homepage der Polizei, wo öffentlich denunziert werden kann, wer die Regeln bricht. Nach 24 Stunden brach diese zusammen. Insgesamt 4 Wochen, kein wenn oder aber. Dafür aber ein Land auf dem Pfad der Elimination, R0 fast 1. Mehr „geheilt“ als „neu infiziert“.

Heilende Wirkung hat auch die Badewanne. Vor zwei Tagen konnten wir den neuen Spa-Bereich eröffnen. Macht man nun ein Feuer unter voller Badewanne, trinkt dann eine Stunde Champagner am Strand, so kann man anschließend warm Baden – mit Blick auf die tasmanische Bucht oder wahlweise den Sternenhimmel. Champagner gab es nie, wird es auch nicht geben – dafür das vergnügte Lachen der Tochter, weil Duschen im Wohnmobil, aus Sicht einer 1jährigen, unmenschlich ist. Wasser marsch, Feuer frei!

Life-Hack’s, Entbehrung, Anpassung:

Wenn man vorsichtig duscht, muss man danach den Wassertank nur einmal mit der 10-Liter-Gießkanne auffüllen. Mit 3 Eimern, kalt/warm/kalt, kann man ein Waschmaschinen-Program simulieren: vorwaschen, waschen, spülen. Und es ist beeindruckend, wie dunkelgrau das Wasser danach ist.

Schließt man am Nachmittag eines sonnigen Tags alle Fenster und Türen, schafft man es, dass es noch am Abend, schön warm im Camper ist. Eine Stunde Motor an, bedeutet locker einen Tag länger ohne externen Strom, wenn man nur die Handys lädt und den Kühlschrank betreibt. Bedeutet aber: toasten in der Pfanne und Warm-Wasser vom Herd. Abwaschen ausschliesslich mit der Hand, nur draußen in der Wanne – dann entsteht kein Grauwasser, was geleert werden muss. Internetseiten brauchen ca. 3 Minuten, bis sie sichtbar sind – ein Strich Empfang, 3G. Video-Telefonate zeigen unvorteilhafte Standbilder. Anrufe beginnen meist mit Hallo! Hallo? Halloo? Hallo!

Man gewöhnt sich dran, die Sehnsucht nach „Normalität“ wächst dennoch. Marie findet „das Alles“ weiterhin stark, solange sie frische Pflaumen und Croissants bekommt.

Letztes Jahr Ostern war Bayern und VW-Bus-Umbau angesagt, dieses Jahr also Kina Beach.

Ostersonntag soll es einen Sturm geben, Jacinda Ardern, die neuseeländische Merkel, beruhigt: der Osterhase und die Zahnfee sind systemrelevant!

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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