4 Flaschen Vodka.

Und es geht in die Verlängerung. Nochmal 5 Tage, bis Montag Mitternacht. Weil Montag Feiertag ist. ANZAC-Day, ein Tag an dem an die verstorbenen neuseeländischen Soldaten gedacht wird, die in der Türkei in Mohnfeldern niedergemetzelt wurden. 100 Jahre später hat die Regierung jedoch Angst, dass die Neuseeländer das lange Wochenende eher für Kurzurlaube nutzen könnten. Wir buchen also alles um, leeren kurzfristig eine Flasche Frust-Wein und reißen uns nochmal zusammen.

Am nächsten Morgen beobachten wir beim Frühstück ebenfalls eine Metzelei – ein Raubvogel fängt einen Artgenossen und genießt sein frühes Mahl in unserem Vorgarten. Falke gegen Eisvogel, Karearea gegen Kotare, 1:0. Die Spatzen sind aufgeregt, Marie schimpft mit.

Vergangenen Sonntag gab es eine Kulturveranstaltung. Vernissage, Gaz hat eingeladen, Kunst im Park. Alle haben gekocht und gebacken, es wird gegrillt. Jane zaubert Focaccia mit Camp-Rosmarin, Kartoffelauflauf und Apfel-Crumbel mit Vanilleeis aus Ihrem Van. Wir sind die Einzigen, die keine Skellerup-Gummistiefel tragen.

Mit vollen Mägen und Musik betrachten wir im Anschluss 9 Bilder. Szenen und Landschaften aus Neuseeland. Beeindruckende Impressionen. Irgendwann im Verlauf kommt der Maler auf uns zu, drückt uns ein Geschenk in die Hand. Eingepackt in Weihnachtspapier mit Schneeflocken. Zur Erinnerung, sagt er. Weil er uns so gern hat. Es folgt Staunen, wir sind sehr berührt. Umarmung will er nicht, Ellenbogen-Check würde reichen. Das Bild zeigt uns am Strand – welch eine Erinnerung, welch ein Geschenk.

Im Verlauf des Abends verhandeln wir mit ihm über ein weiteres Gemälde. Es zeigt den Motueka Inlet, etwa zwei Kilometer den Strand hinauf, dort wo der Motuere in die Bucht mündet. Marschland, Brackwasser. Was er dafür haben will? 4 Flaschen russischen Vodka. Gekauft! Danach singen alle am Lagerfeuer, mit Gitarre begleitet: I wish I was a fisherman, Tumblin‘ on the seas, Far away from dry land, And it’s bitter memories… …”bitter” haben wir nicht mitgesungen….

Dieser Ort ist wie frische Petersilie – verlässlich, bodenständig, ehrlich, familiär. Eine schöne Bühne für einen hässlichen Virus, der alles verändert. Und täglich, manchmal mehr und manchmal weniger, ein Kampf im Geiste ist. Die Unsichtbarkeit fordert Disziplin und Motivation, ist eigentlich einfach zu ertragen, zerreißt, verunsichert, bestätigt, unterstreicht. Bleiben wir optimistisch.

Es waren, sind und werden Tage sein, an die wir uns noch lange erinnern: als Bayern Starkbierfeste zum Gesundheitstest machte, Schweden gemeinschaftlich experimentierte und die USA Wrestling als systemrelevant einstufte und zuerst Bowlingbahnen öffnete. Und Neuseelands Regierung verschiebt offiziell die Entenjagd-Saison und versichert, dass man endlich im Level-3 zum KFC und McDonalds-Drive-in fahren darf. Achja – Jagen nur zu Fuß, nicht aus dem Helikopter.

Und dann ist da eine kleine Dame, die alles vergessen lässt. Plötzlich steht sie (ganz alleine und frei) im Camper und auf dem Rasen, lacht vor Freude über die ersten eigenen Schritte auf der Welt und im Leben. Kichert über Selbstständigkeit, scheisst auf Politik und Experten. Eine gesunde Lebenseinstellung, wenn eine Möwe, Brotkrümel, Weintrauben und Tannenzapfen große Freude und volle Aufmerksamkeit erhalten.

„Und wie macht der Hummer?“

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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