Teppichreiskörner.

Wir sitzen am Strand auf einem großen Stück Treibholz. Marie spielt vor uns im Sand, steckt sich mit Vorliebe die kleinen Seetang-Kügelchen in den Mund. Der Sand in New Brighton ist weich, liegt in der Hand wie Mehl. Heute Nachmittag ist eine eigenartige Stimmung an der Küste, ein sonderbares Licht. Klarer Blick gen Norden, wir sehen den Manakau, ein Berg über Kaikoura, 160km entfernt. Wunderbare Wellen kommen sauber am Strand an, geordnet in Sets von 7. Ein Vater surft mit seinen Jungs vor uns…und „war das gerade ein Delphin?“ Vier Delphine jagen in der Nachmittags-Sonne.

So verbringen wir unsere Tage. Frühstücken lange, waschen Wäsche, hören Musik, beschäftigen Marie. Oder anders rum. Schläft das Kind, räumen wir Spielzeug-Explosionen auf und sammeln Reiskörner vom Teppich. Das Schlafdefizit ist so groß wie die Sehnsucht nach italienischem Rotwein. Wir hängen diagonal und vertikal im Sessel oder auf dem Sofa, philosophieren über Zustände.

Einen Zustand der Gesellschaft, bei dem sich schnell eine Distanz zwischeneinander etabliert hat – wo Menschen große Bögen um Mitmenschen machen, wo beim Spaziergang die Straßenseite gewechselt wird. Wie schnell diese Formatierung stattfand und wie lang es wohl dauern wird, zu einem alten Status zurückzufinden. Funktioniert es anders rum auch? Wenn die Regierung sagt, sie dürfen jetzt wieder ihrem Nachbarn auf die Pelle rücken? Tut eine Regierung so etwas offiziell?

Wir reden jedoch auch über unseren Zustand, unsere Pläne. Unsere Reisepläne wurden derart verändert, dass die Reise realistisch beendet ist. Die pazifischen Inseln sind zu, Japan oder Indonesien kein sinnvolles „nächstes Kapitel“. Selbst mit geöffneten Grenzen, ist die Wahrscheinlichkeit mit völlig offenen Armen, ohne Quarantäne-Forderung, ohne Vorurteil Fremden gegenüber, ohne Einschränkung in jeglicher Infrastruktur und Touristen-Angebot so unwahrscheinlich, wie die einkehrende Vernunft bei Trump. Also muss das Eintauchen in die hellblaue Pazifik-Welt verschoben werden. Neu-Kaledonien muss nochmal warten. Wir hingegen verweilen also nur noch, bis die Biergärten wirklich offen sind. Dann kommen wir irgendwann heim. Diese Reise ist nach unserem Geschmack nicht fertig, wir kommen wieder. Rien ne va plus!

Gestern wurde in der täglichen Pressekonferenz erklärt, wie Level 2 aussehen könnte. Die Premier-Ministerin bestätigte, dass wir uns dann im Land frei bewegen können, Menschen besuchen und in Gaststätten essen dürfen, wenn gewisse Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Aber erst Montag wird verkündet, ob Level 2 24 Stunden später in Kraft tritt. Vorher ist eine Buchung von Mietauto, Unterkunft, Fähre und Flug aber nicht möglich. Es gibt also einen theoretischen Masterplan im Kopf, die Regierung hat aber die Fernbedienung und bestimmt das Program.

Also eben Netflix. Tigerking, Last Dance, win-the-wilderness. Mit Marie fangen spielen, lesen und Fotobücher beenden. Und eben Strandspaziergänge mit Delphinen – ob die wissen, dass in den roten Holz-Spielzeug-Bus 16 Insassen passen?

Marie entdeckt an der Scheibe eine grüne Raupe. Zwischen hier und Samoa gibt es also doch noch ein bisschen was zu entdecken…

Kiwibeeren zum Beispiel.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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