Herbst.

Nur ein paar Zeilen. Keine Schönschrift.

Wir haben Christchurch verlassen. Irgendwie waren wir froh, als es weiterging. Dieses Mal in einem roten Auto, mit Handbremse im Fußraum. Der Weg führt uns an der Ostküste entlang, das Meer auf der rechten Seite. Kaikoura. Eine der großen Touristenattraktionen auf der Südinsel: 1,6km vor der Küste fällt der Meeresboden auf 1,6km Tiefe. Plankton wird nach oben gedrückt, All-you-can-eat für Wale und Delphine. Auf dieses Erlebnis müssen wir erstmal verzichten. Die Mischung aus Nebensaison und Covid-19 hat alle Touristen aus dem Ort gespült, wir sind (gefühlt) die Ersten und Einzigen. Am Abend im Pub kommt die Wirtin an den Tisch und bedankt sich, dass wir überhaupt gekommen sind.

Die nächsten Nächte verbringen wir auf einem Weingut in Riwaka. Mit Hängebauchschweinen, Hühnern, Enten und Schafen. Marie ist außer sich. Es ist Herbst geworden, die Reben sind leer, die Blätter goldgelb. Und es ist kalt geworden. Wir besuchen unsere Bubble in Kina Beach. Große Freude und herzliche Umarmungen. Ein wenig merkwürdig ist es, dass Camp erneut zu besuchen – mit vielen Fremden und neuankommenden Gästen. Gaz, Chris, Jenny und Jane sind noch da. Und natürlich die Katze. Es ist schön wie eh und je.

Die nächsten Tage werden wir in der Gegend verbringen, im Norden der Südinsel. Abel Tasman Nationalpark, Golden Bay. Orte, die wochenlang so nah waren, aber unerreichbar. Nächste Woche dann Picton und die Malborough Sounds, kommenden Samstag per Fähre auf die Nordinsel.

Wir haben einen Rückflug gebucht. Damit es aber spannend bleibt, erkennt die USA den Kinderreisepass nicht an, fordert für Marie und 2,5 Stunden Transit in LA ein Visum. Mehrere Stunden füllen wir Fragebögen aus, ob die kleine Dame einen Genozid plant und bezahlen 140€. Verschicken Geburtsurkunde und Flugtickets als Beweis. Möglicherweise folgt noch ein Interview in Auckland – alles verständlich, bedenkt man, wie toll und bunt und grenzenlos und fortschrittlich und großartig die USA doch ist. Jeder möchte dorthin…gerade jetzt… …

Wir brauchen ein bisschen Zeit, den etwas faden Beigeschmack loszuwerden. Brauchen das unendliche Meer, um uns mit genau diesem Ende der Reise anzufreunden. Eine Pandemie – im Ernst? Das letzte Kapitel dieser Geschichte so anzunehmen, nur um auf eine Fortsetzung zu warten. Pausierte Sehnsucht, Fernweh in Warteschleife. Akzeptanz entsteht nur langsam – durch die wärmende Herbst-Sonne, den erfrischenden, salzigen Wind. Die glucksenden Wellen der Tasman-Bay, die so oft an die Ostsee erinnern. Und nicht an den Pazifik.

So soll es also sein…

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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