Kaitaki.

Der Himmel über Wellington ist hellgrau. Ein Tui im Hinterhof schimpft und gurgelt schon am Morgen, wir stellen die Klimaanlage im kleinen Wohnzimmer an, um unsere Unterkunft für die nächsten Tage zu wärmen. Der Plattenspieler will die Paolo-Conte-LP nicht spielen.

Wir haben es geschafft, gestern haben wir die Nordinsel erreicht – aus 30 Tagen Südinsel hat Covid 83 Tage gemacht. Die Interislander-Fähre hieß Kaitaki, segelte durch den engen, Regenwolken-vergangenen Marlborough-Sound und ermöglichte uns, im Wind auf dem Aussendeck stehend, Abschied von spektakulären Wochen zu nehmen. Hector-Delfine begleiteten uns.

Die Tage zuvor wohnten wir in einem alten Ferienhaus in Anakiwa. Mit einem tollen Blick in den Grove Arm des Queen Charlotte Sounds konnten wir morgens Seelöwen beim Jagen beobachten, mussten aber morgens-mittags-abends den Kamin füttern, weil es deutlich kälter wurde. Holzofengeruch gemischt mit Kaffeeduft und getoastetem Brot. Es war gemütlich – auch durch die großmütterliche Atmosphäre mit altem Röhren-Fernseher, Heizdecke im Doppelbett und Herd-Ungetüm.

Wir machen kurze Ausflüge, wandern am Vatertag am Cullen-Point und stehen vor neuen Herausforderungen: die Lufthansa verändert den Flugplan, unsere geplante Heimreise mit Flug über LA passt nicht mehr. Stornierung.

Die amerikanische Botschaft und Trumps Grenzpolitik entfaltet sich in ganzer Pracht, ähnelt der Gaius Pupus Aufgabe an Asterix und Obelix, Passierschein „A 38“ zu besorgen. Immer mehr Fragezeichen entstehen am möglichen Flug über die USA, sind so unverhältnismäßig, „A 39“ aus „B 65“? Wir werden also wahrscheinlich einfach länger in Neuseeland bleiben, den Kinderreisepass zurück-erobern und über Asien fliegen. Man muss ja nicht jeden Quatsch mitmachen.

Die nächsten Wochen bleiben also offen. Wir denken einfach nur noch an Heute und Morgen, das „Übermorgen“ bleibt unplanbar. Wir gehen jetzt zu meinen alten Gasteltern Paul und Lita zum Mittagessen, danach an der Küste spazieren. Kaitaki heisst „Challenger“ auf Maori. Morgen wird unsere Herausforderung sein, neue Schuhe für Marie zu kaufen. Die läuft nämlich jetzt.

Ein Schritt vor den Anderen. Kleine Schritte.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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