Hafensushi.

Auckland. Wir sind zurück.

Im Nebel sind wir morgens aufgebrochen, nur mit einem Schnellkaffee im Bauch. Die vollen Straßen spülen uns in die Stadtmitte, ungewohnte Hektik auf vier Rädern. Wir haben einen Termin um 10 in der amerikanischen Botschaft. Hat man einmal Zeitdruck, alle Eltern kennen es, kommt es typischerweise zu einem seltenen Phänomen: genau diesen Moment erklärt Marie zum Hals-Fuß-Fiasko. Kacke. Alles voll. Kurze Zeit später klagt sie über ihre Nacktheit im Parkhaus, um sie herum liegt eine Packung Feuchttücher verteilt auf einer freien Parkbucht. 20 Minuten später nehmen wir, außer Atem, den Kinderreisepass entgegen. Ohne Visum. Dennoch grinsend, weil wir auf amerikanischem Hoheitsgebiet einen ordentlichen Kackegeruch hinterlassen. Yes!

Wir haben uns gegen die Amerika-Route entschieden und warten nun auf ein adäquates Asien-Fenster im Juli. Die nächsten Wochen verbringen wir im milderen Norden und gestalten ein friedliches Ende mit einer Reise, die anders geplant war. Erkennen, dass wir (vielleicht noch) keine Auswanderer-Typen sind, die so weit weg von Freunden und Familie sein würden. Und Gelbwurst. Spüren kein Heimweh, aber irgendein Gefühl von Heimat. Können jedoch ein Fernweh, die Sehnsucht nach interkontinentalem (Weiter)-Reisen unter diesen Umständen aktuell nicht mehr bestätigen. Die globale Leichtigkeit und Luft ist raus. Es wird spannend, wann sich der internationale Tourismus zu einem präcorona’rem Zustand rehabilitiert – Föhr, Plattensee, Jesolo warten. Wie in den 70‘ern.

Die Nächte zuvor, auf der Fahrt vom südlichen Wellington ins nördliche Auckland, waren eine Mischung aus Hotel, in dem wir morgens von der motivierend-schreiend Fitnesslehrerin im nebenan liegenden Studio geweckt wurden und einem Wohn-Seecontainer am Waikato-River, mit Aussenbad und „Alter-Fuck-bist-du-nah-willst-du-nicht-wegrennen“-Erfahrung mit einem katzengrossen Possum. Abends auf dem Balkon.

Jetzt wohnen wir erstmal bei Bianca und Hendrik, zwei deutsche Auswanderer aus München mit Tochter. Doppelt verglaste Fenster, Heizkörper in jedem Zimmer, große Kisten voller Playmobil und Grohe-Amaturen im Bad. Deutsches Wohlfühl-Akklimatisieren in Ikea-Möbeln.

Natürlich gibt es Momente, in denen wir uns fragen, ob das die Grundidee der Reise war. Quarantäne-Zeit absitzen in einer spiessigen Ferienwohnung in Christchurch oder in Decken-gehüllt netflixen, wo doch Südsee geplant war. Unser Virus-Preis. Aber wenn man dann Sushi am Strand von St. Heliers isst und auf den Hafen und die Skyline von Auckland guckt, sich an Weihnachten auf Koh Phagan oder radeln durch Bagan erinnert, dann gibt es keine Diskussion. Und jede Minute, Geschmack oder Geruch…ist irgendwo ganz tief in einem kleinen Mädchen-Herz. Und unseren.

Aber kann (so) eine Reise überhaupt (so) zu Ende gehen…!?

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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