Mitternachtssuppe.

Es ist 1 Uhr nachts. Vor der Tür laufen die zwei Windhunde immer wieder, trippelnd auf dem Holzboden, den Flur entlang. Marie wacht wiederholt auf und auch wir finden keinen Schlaf. War es der Kaffee im italienischen Supermarkt auf dem Weg, sind es die Gedanken aus dem Gespräch mit Scott, dem Gastgeber oder die neuen Geräusche aus der alten Villa? Der Cappuccino war gut, aber nicht zu spät, das Gespräch anregend, aber nicht aufwühlend. Neuseeland kann nur Neuseeland sein, weil es so weit weg ist. Erklärte uns Scott bei einem Rotwein und hat wohl Recht.

Die Hundepfoten auf den Dielen der Kauri-Lodge klingen sehr idyllisch und ländlich, passend zum Rondell vor der Eingangstür.

Wir haben Auckland verlassen. City of sails. Erholsame Tage mit Zoo-Besuch, Pasta von Mamma Rosa und König der Löwen per Disney Plus. Unvergesslich: eine Vierfach-Impfung der Tochter, jeweils eine Impfung in jede Extremität. Die Laune war bereits nach dem ersten Stich ausbaufähig.

Es gab Tomahawk-Steaks bei Seini und vegetarische Pizza aus dem Gasgrill von Bianca und Hendrik, den Airbnb-Gastgebern. Wir haben Schafe gestreichelt, unter Regenbögen gestanden und Mietwagen getauscht. Bucht man diese in Deutschland neu, ist es günstiger, als in Neuseeland zu verlängern. Soll einer verstehen.

Man geht abends mit einer Pandemie ins Bett und wacht morgens mit Massen-Unruhen in den USA wieder auf. Ein neues Kapitel, eine ver-rücktere Welt. Alles normal. Bilder von Plünderungen und Polizei aus Hubschrauber-live-Vogelperspektive wie in Grand Theft Auto, 1997. Das große Amerika, was man aus Zeiten von „The Last Dance“ erinnert, wird mehr und mehr surreale Scheisse wie „Tigerking“, nur in noch Echter, noch Schlimmer. Wie dieser Typ mit der Bibel vor der Kirche steht und die Fotografen vor lauter Tränengas würgen müssen…der perfekte Sturm. Gut, dass Marie nur ihren Duft auf amerikanischem Territorium gelassen hat – vielleicht eine entscheidende Message für ihre Zukunft.

Zurück zu unserer kleinen Landpartie. Wir werden die nächsten Tage im Dunstkreis von Auckland verbringen. Versuchen wieder den 3- oder 4-tägigen Rhythmus zu finden, Unterkünfte zu wechseln. Neue Menschen, neue Orte, neue Tiere. Wir haben gelernt, in solch einer undurchsichtigen Gesamt-Situation, fällt uns, bei zu langer Verweil-Dauer, zu schnell die Decke auf den Kopf. Man ist ja eh nicht in den eigenen vier Wänden, warum also nicht wechseln?

Aus einem eigenen Zwei-Zimmer-Apartment ohne Küche haben wir jetzt ein Privatzimmer in einer 1880-Gründerzeit-Villa gemacht – mit Wurmfarm und riesiger Gemeinschaftsküche einer Köchin, die jetzt Duftkerzen herstellt und im Dörr-Ofen Wildblumen trocknet.

Es ist jetzt 2 Uhr. Der Windhund bellt. Spätestens jetzt wären wir wach, Marie schläft nun regungslos. Besser so. Wer weiß denn auch schon, welches Kapitel am Morgen beginnt? Eines könnte sein:

Himbeeren nascht man am Besten, wenn sie auf dem Finger stecken und Windhunde klappern mit den Zähnen, wenn sie sich freuen.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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