Einsiedlerkrebs.

Es ist heiss. Noch spät am Abend sind es 28 Grad, das Thermometer klemmt wirklich auch in einer schattigen Ecke. Cerebro fritto. Die Bretagne ist bekannt für raues Wetter und Regen, das Schleswig-Holstein Frankreichs. Es ist nun der vierte Sommer in Folge, in dem man vor dem Schlafen kalt duschen muss, um gut durch die Nacht zu kommen. Es gibt Vorteile am Klimawandel.

Wir pendeln täglich zwischen Bäcker, Markt, Strand, für lange Mittagsschläfe kurz nach Hause, Strand und Planschbecken. Nur die Variation unterscheidet die Tage.

Entweder bewegen wir uns mit alten Fahrrädern, die wir in einer Reihe Ihresgleichen an der Mauer parken. Ferienhaus-Drahtesel. Zu alt für die Städte, perfekt für die Ferien. Schwer, quietschend, nostalgisch, wunderbar für die bretonischen Straßen zum Strand.

Oder wir fahren mit dem VW-Bus. Auf den Sitzen sind Ringe aus Salzwasser und Sonnencreme, überall ist Sand. Es ist dieser besondere Geruch des Urlaubs, wenn nach einem Strandaufenthalt das völlig überhitzte Auto geöffnet wird und die Klimaanlage angeht. Fenster auf, Musik an, es könnte ewig so gehen.

Weil es so schön ist, fahren wir an einem Vormittag nach Vannes. Halbe Stunde Autofahrt, Fachwerk, Altstadt. Kleine Läden mit schönen Lampen, Kinderklamotten und Fußabstreifern in Hummerform. Auf dem Fischmarkt ein Thunfisch, so groß wie ein Schwein. Wir kaufen Knoblauch und kleine Messer, alle tragen eine Maske. Marie hält Schaufenster für eine großartige Erfindung, 50 Meter Fußgängerzone dauern eine halbe Stunde.

Die Abendessen sind meerig. Fangfrisch. Gedünsteter Seeteufel mit Tomaten, angebratene Jakobsmuscheln mit Zitronenbutter. Schwertfisch- und Thunfischsteak vom Grill. Kabeljau, gegrillte Mango. Miesmuscheln mit Petersilie und Baguette. Salzbutter. „Mich is zu Muth wie unsern Herrgott in Frankreich, so mollich wie Milch in all mene Glieder.“ Wie wahr!

Am Strand von Penthièvre sind wir nun regelmäßig. Man parkt direkt hinter den Dünen, das Wasser ist manchmal karibisch-blau. Bei Ebbe ist es kinderfussfreundlich flach, Marie entdeckt Einsiedlerkrebse in kleinen Schnecken. Die halten nichts von ihrem neugierigen Zeigefinger und rollen in den Wellen davon, wenn sie diese endlich wieder erreichen.

Irgendwann wissen wir, ohne Hilfe der Anleitung, wie die Pop-up-Strandmuschel zusammengefaltet wird. Die missglückten Versuche Vieler, auch uns, wäre ein lustiger Bildband. Das Mittagessen aus der Kühltasche: gekochte Eier, belegtes Baguette mit Salami und Frischkäse, das Pain-au-chocolate vom Frühstück. Limo. Morgen, entscheiden wir, gibt es vorher Galettes auf dem Markt. Marie klebt und grinst.

Ganz okay.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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