Plastikschuh.

Die hellgrünen Eicheln am Boden sehen aus wie Konfetti. Einige springen davon, wenn der Fahrradreifen sie erwischt. Das frisch gemähte Gras von vor einigen Wochen, liegt jetzt trocken, wie ein Teppich vor uns. Es riecht warm. Gelb. Stroh. Es kündigt wohl den Spätsommer an.

Wir fahren mit den Rädern an unseren Lieblingsstrand. Der Urlaub muss gut sein, wenn dieses Wort existiert. Plage de Kerbihan. Klein, gemütlich, die Fahrrinne in den Hafen direkt vor der Nase. Sandkörnung Mittel-fein. Nicht unerheblich: zu fein ist wie ein klebriger Film über Allem, aber schön unter dem Fuß; zu körnig, bedeutet leichtes Unbehagen am Fussbett, dafür ist es ab-pust-bar am Objekt. Wir teilen unsere Empfindung über Kerbihan mit mehreren Großfamilien. Französischen Großfamilien.

Die Kinder-Anzahlen variieren zwischen vier bis sechs. Alle gleicher Hut, alle gleiche Sonnenbrille. Kinder-Armeen. Die Ferienhaus-Nachbarn sind ein älteres Ehepaar, 3 Kinder. Insgesamt 12 Enkelkinder wackeln durch den Garten, alle sind zu Besuch bei den Großeltern am Meer. Gleichzeitig. „Toll!“. Wie machen die das mit der Waschmaschine, wie mit dem Essen? Die Väter sind wie Generäle beim Abendessen, wenn es am großen Plastiktisch im Garten an Zucht und Ordnung mangelt. Advanced Level.

Wir haben Schinken-Baguette vom Bäcker Chevillard dabei und warme Pain-au-chocolate. Beobachten die Segelschiffe und Austernfischer, die mit Muschelkörben in den Hafen einlaufen.

Später fahren wir mit den Rädern genau dort hin. Kaufen für das Kind Strandschuhe und vergessen dabei unsere Kindheit. Also nicht ganz: wir erinnern uns zwar an die alten Plastik-Schuhe, vergaßen aber die harten Plastik-Ecken, die sich all die Sommer unbequem in die eigene Haut gedrückt haben. In der großen Strandtasche wandert das historisch-unbrauchbare Schuhwerk im Verlauf des Urlaubs an den Taschenboden…

Väter angeln mit ihren Söhnen vom Pier, die Regenwürmer vertrocknen langsam in der Sonne. Mütter schieben mit ihren Töchtern Segel-Jollen ins Wasser. La Trinité-sur-Mer ist ein stolzer Segler-Hafen, von dem einige Ein-Mann-Segler Atlantik-Überquerungen in Rekordzeiten starten. Jene Boote spiegeln sich im Hochwasser am Vormittag. Silhouetten wie Gemälde.

Wir wandern durch die hiesige Fischhalle. Die Miesmuscheln wurden am frühen Morgen aus dem Wasser geholt und bei dem Steinbutt kann man sich nur allzu gut vorstellen, wie er mit ein bisschen Zitrone auf dem Grill schmecken würde. „Miesmuscheln für Zwei, bitte!“

Wir radeln zurück. Pflücken die Brombeeren, die Maries Mama schon als Kind gepflückt hat. Nach kurzer Zeit ist ihre Zunge schwarz, sie entwickelt lautstark eine Gier nach der Frucht. Des Kinderglücks wegen stehen die Eltern schnell in den Dornen, doch uns fehlt ein Sammelbehälter. Improvisation.

Ma-ma! Pa-pa! Wohin gehts als Nächstes?

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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