Bavaria.

Läuft man, nach einem langen Segeltörn, in den Kieler Hafen ein, so fährt man, von der Ostsee kommend, lange durch die Kieler Förde. Ruhiges Gewässer, gemächliches Uferleben. Man kann seinen Kahn sowie sich selbst noch ein wenig herausputzen, bis man sein Schiff endgültig vertäut.

So laufen wir also in unseren Hafen ein. Nach einer langen Reise. Elternzeit, fast ein Jahr. Unser Hafen heißt nur nicht Kiel, sondern Lochhofen. Sauerlach. Bavariastrasse, bayerische Erde. Hier bauen wir unser neues Nest. Samt Astschere, Tiefgefrierer und Sitzbank.

Marie sammelt stolz Nacktschnecken im neuen Garten und das Gackern der Nachbars-Hühner ist neues Hintergrundgeräusch. Genauso wie der stündliche Kirchturm-Glockenschlag und große Traktoren vor der Tür. Kühe auf der Weide um die Ecke. Landleben eben.

Ein Rückblick über die letzten Monate macht sprachlos. Was ist mit Marie passiert, mit uns, mit der Welt? Marie hat gelernt, wie man aus einer Kokosnuss trinkt und sich Katzen-Zehen-Zwischenräume anfühlen. Wir haben rohe Garnelen geschmeckt und die blauen Himmel der Südhalbkugel gesehen. Und die Welt? Erkennt sich im Spiegel selbst nicht mehr, hat einen Virus. Auf nichts ist mehr Verlass.

Die letzten Monate der Reise wurden sonderbar. Ein ganz besonderer Lockdown im Camper – wochenlang neben dem Meer. Dort wo Marie ihre ersten Schritte gelaufen ist. Kina Beach. Gefolgt von wochenlanger Unsicherheit, wie es weitergeht. Und dann waren wir irgendwie doch, recht plötzlich, am Münchner Flughafen. Gesund und grinsend.

In den vergangenen 11 Monaten haben wir ganz wunderbar-liebe und lustige Menschen kennengelernt. Grenzenlose Gastfreundschaft. Lachende Gesichter in Myanmar, Kopfstände in Sydney und Lagerfeuer in Neuseeland. Und unser kleines Trio hat sich intensiv eingespielt und einen Bund geknüpft. Unbezahlbar!

Wir wurden von vielen Menschen begleitet. Mit über 50 Blogbeiträgen haben wir versucht, ein paar Daheim-gebliebene zu belustigen und in die weite Welt zu entführen – und uns am Ende selbst ein Tagebuch geschrieben. Vielen Dank fürs Lesen, Lob und Kritik, Ideen und all die steten Grüße.

Auch wenn die Wissenschaft sagt, Kinder erinnern sich kaum bis nicht an Geschehnisse der ersten drei Lebensjahre, so sind wir irgendwie doch sicher, dass die Geschmäcker und Gesichter, die Bilder und die Harmonien irgendwo in der Seele sitzen bleiben. Und manchmal irrt die Wissenschaft ja doch…Wenn nicht, dann findet Marie vielleicht irgendwann mal ein Buch oder einen Blog über Meermenschen, Plastikschuhe, Flussschweine und Teppichreiskörner.

An diesem Punkt schlagen wir dieses Buch zu. Ein neues Kapitel beginnt – Alltag auf dem Land. Vermutlich nicht beschreibenswert. Wir haben natürlich schon vor Wochen mit der Entwöhnung unserer Leserschaft begonnen, so dass der Aufschrei nicht allzu groß sein sollte. Vielleicht nutzen wir die Plattform in Zukunft für kleine, digitale, Lebenszeichen – nichts genaues, weiß man nicht. Vielleicht aber geht die Reise ja auch in ein paar Jahren weiter – im Pazifik, auf Tonga…oder eben doch einmal mit dem VW-Bus um die Ostsee. Alles ist möglich.

Gehabt Euch wohl, genießt Konfetti. Mit einer tiefen Verbeugung, voller Dankbarkeit und Muschelschalen in den Taschen,

eure Marie, Claire und Phillip.

Veröffentlicht von Phi

Tüddelbüddel

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